Warum Urgetreide statt Weizenmehl?

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Immer häufiger klagen Menschen über Müdigkeit, Blähungen, Schmerzen und Durchfall. Die letzten drei genannten legen schon den Schluss nahe, dass die Ernährung damit zu tun haben könnte - aber welcher Anteil genau? Es lohnt sich, einmal den Versuch zu wagen, Weizenmehl zu meiden und statt dessen Brot/Brötchen aus Urgetreide zu verzehren.

Unser heutiger Weizen ist so intensiv gekreuzt und gezüchtet worden, dass er mit dem Weizen vor 100 Jahren kaum noch etwas gemein hat. Seine heutige Struktur ist für unseren Organismus so viel komplexer. Langfristig führt hoher Weizenkonsum zu erheblichen Problemen wie Gewichtszunahme, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Urgetreide

Die vier, schon in der Steinzeit kultivierten Urgetreidearten sind Emmer, Einkorn, Kamut und Dinkel. Alle enthalten ein hohes Maß an löslichen Ballaststoffen (Präbiotika). Diese fördern das Wachstum und die Aktivität gesunder Darmbakterien. Sie wiederum helfen bei der körpereigenen Vitaminherstellung. Außerdem werden die enthaltenen Kohlehydrate nur sehr langsam aufgespalten, was zu einem langanhaltenden Sättigungsgefühl führt.

Neben den Kohlehydraten enthält Urgetreide im Gegensatz zu Weizen auch sehr viel Eiweiß und ungesättigte Fette. Die Aminosäuren (Eiweiße) verhelfen uns zu mehr Wachheit und Konzentrationfähigkeit und Stimmunsgsausgewogenheit - wir sind einfach besser “drauf”.

Die ungesättigten Fettsäuren sorgen dafür, dass unser Körper und damit auch die Gehirnzellen elastisch bleiben. Wir erhalten so eine sehr viel höhere Leistungsfähigkeit des Denkens.

Hildegard von Bingen

“Dinkel ist das beste Getreide, fettig, kraftvoll und leichter verträglich als alle anderen Körner. Er verschafft dem, der es isst, ein rechtes Fleisch und bereitet ihm gutes Blut. Die Seele des Menschen macht er froh und voll Heiterkeit. Und wie auch immer zubereitet man ihn isst, sei es als Brot, sei es als andere Speise, ist Dinkel gut, lieblich und süß”

Dinkel

Enthält neben den, in allen Urgetreiden vorhandenen Makronährstoffen ein großes Spektrum an Mikronährstoffen wie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente.

Vitamine:

Vit A - für Sehkraft, Haut, Knochen und Schleimhäute. Stärkt außerdem das Immunsystem und spielt in der Abwendung von Krebs eine große Rolle. Vit E - Immunsystem stärkend, entzündliche Prozesse regulierend, Schutz vor freien Radikalen. Vit B (1,2,3) - steigern die Lern- und Leistungsfähigkeit.

Mineralstoffe:

Magnesium, Eisen, Chrom.

Spurenelemente:

Silizium - Feuchtigkeit bindend für Haut, Haare, Nägel.

Einkorn (Süssgras)

Einkorn enthält nur einen geringen Kohlehydratanteil, dafür hat es aber einen sehr hohen Proteingehalt. An Nährstoffen sind Vitamin A, Magnesium und Eisen enthalten. Unter allen Getreidearten enthält Einkorn die meisten Carontinoide. Diese sind mit die wichtigsten Antioxidantien, bieten einen effektiven Schutz vor Freien Radikalen, beugen wirksam Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor und schützen vor Krebs. Außerdem enthält Einkorn einen bedeutsamen Anteil an Zink. Zink: stärkt das Immunsystem, bietet einen effektiven Schutz vor Viren und beeinflussst die Zellerneuerung (Wundheilung!!), sowie den Stoffwechsel der Sexual-, Schilddrüsen- und Wachstumshormone.

Hat einen relativ niedrigen Anteil an Kleie und einen hohen Kleberanteil, der Teig klebt entsprechend stark, jedoch kann man problemlos davon Gebäck oder Waffeln herstellen.

Emmer (Weizen-urform)

Nährstoffe:

Sehr viel Magnesium, Eisen und Zink. Auch Carotinoide, Selen, Vit.E, Vit B1 und B6 sind in größeren Mengen in Emmer enthalten.

Vitamine:

Vit B1: ist wesentlicher Bestandteil für den Informationsaustausch der körpereigenen Zellen. Auch die Übertragung und Weiterleitung von Nervenimpulsen wird durch B1 gefördert. Vit B6: steuert u.a. die Glucosebildung und spielt auch eine entscheidende Rolle bei der Traumerinnerung.

Das Emmer-Mehl ist sehr groß und dem Gries sehr ähnlich. Man kann daraus wunderbar Pfannkuchen, Kuchen, Waffeln und Feingebäck herstellen.

Kamut

Nährstoffe: sehr hoher Gehalt an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen.

Vitamine:

Vit B6 und Folsäure Folsäure: Unterstützung bei sämtlichen Zellteilungsvorgängen. Extrem wichtig fürs rote Knochenmark, da hier die Blutneubildung geschieht.

Spurenelement:

Selen: antioxidative Wirkung und Bindung von Schwermetallen. Somit schützt uns Selen vor dem Angriff freier Radikaler und stärkt die körpereigene Abwehrkraft.

Mineralien:

Magnesium, Zink, Kalium und Phosphor

Phosphor: ist Bestandteil des universellen Energieträgers ATP (Adenosintriphosphat) in unserem Körper und außerdem für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt notwendig.

Kalium: Flüssigkeitsregulierung zwischen und in den Zellen, sowie Transport von Glucose in die Zellen und den Aufbau der Magenschleimhaut.

Kamut-Mehl verfügt über sehr gute Kelbeeigenschaft, daher sehr gut für die Herstellung von Brot geeignet.

Nachteile des Urgetreides

meist sind die Mehle nur schwer zu beschaffen und durch die deutlich schwierigeren Produktionseigenschaften und geringeren Ertrag als bei Weizen deutlich teurer.

Für Menschen mit Zöliakie ist Vorsicht geboten. Zwar enthält Urgetreide weniger Gluten (dtl. weniger), und andere Glutenstrukturen als Weizen, dennoch ist die Verstoffwechselung für diese Personengruppe schwieriger. Wenn Sie es ausprobieren möchten, dann nur in kleinen Mengen!

Entnommen: Natur & Heilen, Dez. 2016, Urgetreide

Jutta Reuß am 24.11.2016